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Presseartikel Badische Zeitung, Februar 2003
News vom 30.08.2005

Kredite an kleine und mittlere Unternehmen werden künftig teuerer

Verfasser: Armin Zimmermann, m-finanz 

 

Die Neuordnung der Eigenkapitalrichtlinien (Basel II) könnten im internationalen Vergleich deutsche Unternehmen benachteiligen. Die Klassifizierung des Kreditrisikos und somit die Benotung der Unternehmen stehen im Mittelpunkt der neuen Eigenkapitalrichtlinien, die künftig ohne Rücksicht auf die Vertrauensbeziehung zwischen Bank und Kunden in die Preisgestaltung der Finanzhäuser direkt eingreifen wird. Basel II soll hinsichtlich globalisierter Finanzmärkte dem strukturellen Wandel in der Kreditwirtschaft Rechnung tragen. Die Umsetzung der Beschlüsse, die u.a die Mindestkapitalausstattung der Banken regelt, wird daher bedeutende Auswirkungen auf ihre Kreditkunden haben.

 

Historie


Basel II basiert auf der Weiterentwicklung der Eigenkapitalvereinbarung (Basel I) des Baseler Ausschusses, der weltweit die bankaufsichtsbehördliche Regelung u.a. die der Europäischen Union (EU) beeinflusst. Der Basler Ausschuss, dem hochrangige Vertreter der zehn wichtigsten Zentralbanken angehören, trifft sich regelmäßig bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit Sitz in Basel. Derzeit stehen die neuen Vorschriften wegen möglicher struktureller Nachteile in Deutschland politisch auf dem Prüfstand. Bis zum Jahr 2005 sollen jedoch die Beschlüsse u.a. in den Ländern der EU umgesetzt werden.

 

Was beinhalten die Vorschriften?


Die neuen Regelungen werden bei den Kreditinstituten zu einer präziseren Messung des Kreditrisikos beitragen. Dies hat zur Folge, dass die Bonitätsanforderungen an fremdfinanzierende Unternehmen steigen und in diesem Zusammenhang die Banken angehalten sind, die Kreditüberwachung quantitativ und qualitativ unter anderem durch die Verwendung eines Bewertungsverfahrens (Rating) auszubauen. Basel II bestimmt die Höhe der Eigenkapitalunterlegung und somit die Kreditkosten, die künftig von der Bonität bzw. dem Rating des Unternehmens abhängig sind.

 

Für die Bewertung von Unternehmensrisiken kann sich die Bank anerkannten externen Ratingagenturen wie die bekannten Standard & Poor's oder Moody's bedienen oder auf ein eigenes internes Rating zurückgreifen. Demnach benoten die Banken die einzelnen Kreditnehmer anhand von Bilanzen, Kennzahlen, Marktstellung, Management, Controlling und Zukunftsaussichten; aber auch externe Einflüsse wie beispielsweise Länder- oder Währungsrisiken und die allgemeine Entwicklungschance einer gesamten Branche werden berücksichtigt.

 

Da in Deutschland historischbedingt viele Unternehmen nur über eine verhältnismäßig geringe Eigenkapitaldecke verfügen, werden viele Kreditnehmer sich wesentlich teurer refinanzieren als ihre internationalen Mitbewerber. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass sich viele Firmen mit vergleichsweise gereinger Eigenmittelausstattung aufgrund der gestiegenen Bonitätsanforderungen als Kreditnehmer nicht mehr qualifizieren werden.

 

Neben der qualitätsabhängigen Eigenkapitalunterlegung der Kreditforderungen sehen die neuen Beschlüsse des Baseler Ausschusses vor, dass die Banken langfristige Kredite künftig mit mehr Eigenkapital unterlegen müssen als kürzer laufende Ausleihungen. Diese Regelung würde insbesondere den US Amerikanischen Banken einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, da deren Kreditgeschäft traditionell kurzfristiger ausgelegt ist. Der Anteil der mittel- und langfristigen Kredite beträgt in Deutschland derzeit rund dreiviertel aller Kreditforderungen.

 

Die Innovationsfähigkeit des dezentralen deutschen Banksystems wird nach Ansicht von Experten nicht ausreichen die Auswirkungen von Basel II aufzufangen, vielmehr ist die Politik gefordert, u.a. über ihre mittelstandsgerichtete Förderinstrumentarien möglichen strukturellen Nachteilen entgegen zu wirken.



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